Die Lingerie – zu deutsch „Feinunterwäsche“, aus dem Französischen von „linge“ – „waschbar“ und im weiteren Sinne von „lin“ – dem Leinenstoff (Linnen), aus dem lange die damals noch wenig anschmiegsamen Kleider für Darunter gefertigt wurden, bevor die Baumwolle nach Europa kam. Heute versteht man – oder besser frau – darunter die feinsten Gewebe aus Satin, Seide und Spitze, die Frau gern anzieht und man(n) noch lieber auszieht.
Der Vergleich zum funktionalen Baumwollschlüpfer ist so weit entfernt, dass wir diesen gar nicht näher betrachten wollen. Lingerie sind feinste Schmuckstücke, die einen Körper erotisch verpacken oder besser mit Farbe und Stoff nur anhauchen. Während Wäsche früher eher dem rein funktionalen und hygienischen Zweck dienen sollte, waren Corsagen schon in den Königshäusern Teil des Chics –doch ohne Prunkgewänder darüber wirkten diese wattierten Stoffgebilde mit Haken, Stützstäbchen und Ösen kaum erotisch. Erst in den 60er-Jahren des 20. Jahrhunderts, im Rahmen der sexuellen Revolution, entwarf man erstmals Unterwäsche, die mehr schmücken sollte als funktional zu sein – die Lingerie war geboren.